Workshop 6

Divestment. Worauf wir vor Ort wie Einfluss nehmen können

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Zur Lage der Stromversorger

Silvia Kreibiehl (Leiterin der Frankfurt School – UNEP Collaborating Centre for Climate and Sustainable Energy Finance): „Energieeffizienz ist auch eine Form von Divestment. Wir müssen weniger intensiv werden und brauchen dann auch weniger Kapital. Aber das bedeutet natürlich auch, dass wir Verlierer haben. Das ist in den Entwicklungsländern noch nicht so wichtig wie hier, aber was ist denn das Geschäftsmodell von einem Stromversorger, wenn er plötzlich Leuten erklären soll, wie sie Strom sparen sollen, obwohl das eigentlich seine Umsätze sind? Auch eine Form von Divestment, weil ich mich letztlich weniger abhängig machen will von Strom, weniger verbrauchen will. Es ist eine spannende Frage, welche Geschäftsmodelle finden wir für EON und RWE, auch für die normalen Stadtwerke, die eine Dienstleistung verkaufen, die ansonsten ihre Umsätze reduzieren würde?“

Teilnehmer*in: „Es wäre gemeinwohlorientiert, wenn sie so handeln würden. Jeder Unternehmer muss, wenn sein Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert überlegen, gibt es andere Geschäftsmodelle und dann müssen auch Stadtwerke und andere Organisationen überlegen, wie sieht denn unser Geschäftsmodell im Bereich Zukunft und Erneuerbare Energien aus? Und wenn Energie-Einsparung möglich, wichtig und wirtschaftlich ist, dann müsste man das eben tun."

Die Darstellung Deutschlands im internationalen Diskurs

Silvia Kreibiehl: „Ich glaube nicht, dass wir schlechte Dinge exportieren, ich glaube eher, dass wir eine zu vereinfachte Darstellung der deutschen Energiewende exportieren. Das finde ich genauso gefährlich wie Kohle- und Nuklearexporte. Ich glaube nicht, dass wir diejenigen sind, die auf Augenhöhe mit unseren Partnern diskutieren, wie schwierig die Energiewende ist."

Transparenz bei den Emissionsverursachern und Verbraucherverhalten

Silvia Kreibiehl: „Warum haben wir kein integriertes Reporting? [...] Warum müssen Unternehmen nicht Emissionen reporten und Strategien, wie sie Emissionen reduzieren wollen? Dann kann ich diese wieder auf Finanzintermediär-Ebene zusammenfassen. Momentan ist das echt schwer." Hier dürften nicht immer nur die Banken verantwortlich gemacht werden, sondern es müsste die Realwirtschaft gezwungen werden, ihre Emissionen bekanntzugeben. Dann müsste auch der Verbraucher seiner Verantwortung gerecht werden und bei den Banken nachfragen, wo diese sein Geld investierten.

Silvia Kreibiehl: „Es gibt ja mittlerweile in jedem Institut die Leute, die die grüne und nachhaltige Bewegung unterstützen. Die Allianz ist keine homogene Masse. Auch da gibt es Leute, die diese Bewegung treiben wollen, bei der Deutschen Bank genauso. Dort waren wir ein Team von zehn Leuten, aber wir hatten es echt schwer gegen den Vorstand. Was uns immer geholfen hat war, wenn wir Kunden oder NGOs hatten, die Wind gemacht haben. Jede Anfrage von Kunden konnten wir letztlich in Marktpotential übersetzen und sagen, wenn da Marktpotential ist, dann reagieren wir auch [...]. Der erste Sprung ist vielleicht einfacher, ich wechsele den Stromanbieter, aber dann muss auch ein zweiter gemacht werden: mein Kapital beeinflusst die Wirtschaft."

Silvia Kreibiehl: „Die Allianz sagt zum Beispiel ganz klar, wir würden gerne mehr in Energie in Afrika investieren [...]. Das ist allerdings schwierig, da kann ich eine Projektfinanzierung machen, aber das ist letztlich nicht vergleichbar mit einer RWE Aktie. Da sind wir wieder bei so grundlegenden Fragen, ob unser Finanzsystem denn das richtige ist? Denn wenn ich sage, dass eine RWE Aktie mit dem Kursverlauf, den ich gezeigt hatte, eine geringere Eigenkapitaldeckung braucht als eine Projektfinanzierung von einem Windpark, nur weil es liquide ist, ist das einem Finanzmarktsystem geschuldet [...] das nicht die Realität abbildet."