Workshop 7

Gemeinwohl-Ökonomie und Gemeinwohl-Bilanz

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Christian Felber über Gemeinwohlökonomie und Gemeinwohlbilanz

Christian Felber stellte zu Beginn des Workshops die Idee der Gemeinwohlökonomie vor. 2000 unterstützende Unternehmen begleiten diese Idee bereits und 400 Unternehmen haben bereits eine Gemeinwohlbilanz erstellt, darunter drei Banken und öffentliche Einrichtungen wie die Universität Barcelona und einige Gemeinden. In ganz Deutschland gibt es bereits 30 regionale Gruppen, die die Idee der Gemeinwohlökonomie verfolgen.

Eine große Mehrheit der Menschen wünsche eine andere Wirtschaftsordnung. Die Gemeinwohlökonomie verstehe sich als ein Modell unter vielen, um die Gesellschaft von morgen zu entwickeln und zu verändern. Sie biete eine Umverteilung der demokratischen Gewalten und der Vermögen und Einkommen an. Felber argumentierte, dass die Idee der Vermehrung von Gewinn und Kapital als Ziel des Wirtschaftens einer Verwechslung von Ziel und Mittel der Wirtschaft geschuldet sei: „Aus meiner Sicht ist das der zentrale Systemfehler, die Verwechslung von Ziel und Mittel, die dazu führt, dass wir heute den Erfolg in der Ökonomie an der Anhäufung der Mittel messen. Die Verfassungen sagen einstimmig und ohne eine einzige Ausnahme, dass das oberste Ziel des Wirtschaftens das Gemeinwohl ist. Der Erfolg muss immer und überall an der Erreichung des Ziels gemessen werden, also an der Mehrung des Gemeinwohls.“

Nach der Idee der Gemeinwohlbilanz würde das einzelne Unternehmen seinen Beitrag zum Gemeinwohl anhand einer Bilanz auswerten. Es würde gemessen werden, ob ein Unternehmen die zentralen Grundwerte der Menschenrechte in seinen wirtschaftlichen Prozessen berücksichtige. Diese Gemeinwohlbilanz würde gekoppelt werden an eine differenzierte Besteuerung der Unternehmen. Dadurch könnten die ethisch vertretbarsten Produkte auch die am Markt preiswertesten werden. „Das Ergebnis wäre, dass die Spielregeln des Marktes mit den Werten der Gesellschaft im Einklang stünden.“

Felber nahm auch Stellung zur Frage, ob die Gemeinwohlbilanz die Freiheit der Unternehmer einschränken würde. Die Freiheit des Unternehmers oder des Landwirtes, z.B. Boden zu bestellen, sei keine unbedingte Freiheit, sondern ein bedingtes Recht. Wer dieses Recht als Geschenk der Gesellschaft in Anspruch nehme, müsse als Gegenleistung zeigen, dass er dieses Recht in einer der Gesellschaft zuträglichen Form nutze: „Die Strategie der Gemeinwohlbilanz ist, dass wir über den Weg der Freiwilligkeit der Unternehmen (die Gemeinwohlbilanz ist von Unternehmen ins Leben gerufen worden[...]) eine neue Praxis so allgemein verbreitet machen, dass der Gesetzgeber eines Tages nicht mehr anders kann, als langsam bei den Negativkriterien nachzuziehen. Das heißt, die schlimmsten Verletzungen der Menschenrechte, von Kinderarbeit bis zu brachialer Umweltzerstörung bis hin zur Verwendung von Steueroasen durch eine Nachjustierung zu unterbinden. Das verpflichtet noch nicht zu einer bestimmten Wirtschaftsweise, es legt nur eine gewisse Gegenleistungspflicht für die Unternehmensfreiheit und die Eigentumsfreiheit auf. [...] In ganz vielen Verfassungen steht die Wirtschaftsfreiheit, die Unternehmensfreiheit, das Eigentumsrecht, aber immer unter der Begrenzung, dass man die Gemeinwohlinteressen nicht gefährdet. Das gilt nicht im Umkehrschluss, man muss nicht beweisen, dass man dem Gemeinwohl dient, das wäre eine -- auch aus meiner Sicht -- unnötige Bevormundung, wie ich meine Freiheit ausüben werde. Sondern es ist negativ zu verstehen, wir müssen nur immer genauer und schärfer erkennen, wo unsere Freiheit die gleiche Freiheit und die Lebenschancen anderer verletzt.“

Paul Mackay (Vorstand Goetheanum und Verwaltungsratspräsident Weleda AG) über direkte Demokratie und sinnerfülltes Wirtschaften:

„Heute Morgen haben Sie ein Grundvertrauen ausgesprochen [...]. Ich lebe jetzt in der Schweiz [...] und in der Schweiz wird man viermal im Jahr als Bürger aufgefordert, über gesellschaftlich relevante Fragen abzustimmen - über Sachentscheidungen, nicht über die Wahl von Repräsentanten. Ich glaube das ist eine hohe Kultur der Bewusstseinserwachung und Mitverantwortung, die wir als Bürger für die Gesellschaft haben. Es braucht ein Mehr an Beteiligung, wenn wir selber vor die Entscheidung gestellt werden, will ich das Grundeinkommen? Was sind die Konsequenzen? Will ich es nicht? [...] Die Folge davon ist, dass diese Entscheidungen seriös und ernsthaft diskutiert werden müssen. Wenn sie Vertrauen haben in den Souverän, sind sie mitverantwortlich, dass alle Bürger zu sachgerechten Informationen über die Entscheidungen kommen und die menschliche Vernunft und das Herz in jedem angesprochen werden.“

Paul Mackay über sinnerfülltes Arbeiten in der arbeitsteiligen Gesellschaft

„Wenn die Grundlage der modernen Wirtschaft ist, dass es eine arbeitsteilige Wirtschaft ist, dann ist es so, dass niemand mehr für sich arbeitet. Und dann kann die Sinnerfüllung nicht mehr in einer Art selbsterfüllenden Sinnerfüllung liegen, sie geht über den Tellerrand hinaus. Die Sinnerfüllung geht dahin, gelingt es mir, meine Mitarbeiter auf die gesellschaftliche Aufgabenstellung hin zu orientieren? [...] Die moderne Wirtschaft erfordert von uns, dass wir eine Sinnerfüllung in einem größeren Rahmen sehen.“