Workshop 8

Blockchain Technologie. Bitcoins, Ethereum u.a. System, Chancen Risiken und Legitimation einer revolutionären Technologie

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Wie schwierig ist der Zugang zur Bitcoin-Währung?

Jutta Steiner (Ethcore): „Wenn ich mal vergleiche, wie lange es dauert, wenn ich nicht gerade bei Number 26 ein Konto eröffne, wo ich das am Sonntagnachmittag in zwei Stunden machen kann, dauert ein Konto zu eröffnen in der Regel mehrere Tage. Im Vergleich dazu kann ich ein Bitcoin-Wallet in drei Minuten herunterladen. Dass sich das noch nicht gut anfühlt und noch nicht besonders schön ist, kann ich nachvollziehen und das sind Sachen, an denen gearbeitet wird. Aber grundsätzlich ist der Zugang deutlich schneller und eben auch komplett unreguliert. Ich kann es einfach machen und muss keinen um Erlaubnis fragen, um in diesem Bitcoin-System mitzumachen.“

Kritische Stimmen zur Komplexität von Blockchain-Währungen

Teilnehmer*in: „Ich finde, dass diese Technologie die Entwicklung, die wir gerade haben, in noch extremerer Form fortschreibt. Daraus entsteht eben nicht die Gesellschaft, die zumindest ich mir wünsche und wo ich den Eindruck habe, dass viele sich diese auch wünschen würden. Für mich ist es ein riesiger Widerspruch, Dezentralität/globaler Computer, Transparenz/Anonymität zu vereinbaren. Transparenz besteht für mich vor allem in Einfachheit, in Nachvollziehbarkeit der Dinge, die ich in meinem täglichen Leben benutze. Wir sind es immer mehr gewohnt, nicht-transparente Sachen zu haben, die wir nicht mehr verstehen und das führt uns eigentlich in die Irre als Menschen [...]. Hier weiß ich gar nicht mehr, was ich tue und was es auslöst. Das ist etwas, was Verantwortung von mir wegschiebt und mich in die Hände eines Algorithmus‘ gibt, den wenige Menschen programmiert haben. Meine Zukunft wäre das nicht.“

Dazu eine weitere Teilnehmerin: „Generell geht es mir eigentlich darum, welche Gesellschaft wir haben wollen. Wir können nicht erst ein Geldsystem kreieren, sondern müssen uns erstmal überlegen, welche Gesellschaft wir haben wollen und das Geldsystem dann entwickeln. Das ist glaube ich eigentlich die Krux der Sache, wenn wir jetzt noch mehr Technologie reinstecken, dass die große Gefahr ist, dass wir noch weniger beeinflussen können. Ist es nicht sinnvoller, zu überlegen, dass wir eine Wertegemeinschaft schaffen, die demokratisch und sozial ist und uns dann überlegen, wie das System zahlungstechnisch laufen soll?“

Zur Deckung der Bitcoin-Währung

Teilnehmer*in: „Bei einem elektronischen Geld ist die Grundfrage, wo liegt eigentlich die Deckung? Wenn wir Geld normal verstehen als auf der Grundlage der Leistung des Menschen beruhend, dann brauchen wir diese menschliche Komponente im Grunde genommen in allen Währungen. Und dieses menschlich-machen der Währung [...] dass es demokratische Prozesse gibt, um Geld zu schöpfen, das brauchen wir. Das kann man nicht an eine Maschine abgeben.“

Teilnehmer*in: „Was ich bislang sehen kann ist, dass die Blockchain-Technologie das Verständnis des Geldes fortschreibt, dass wir im Prinzip im Gold (Geld als Sach- und Materialwert) gehabt haben, dass man Geld gleich einem Warenwert setzt, der materialgebunden ist. Die Materialität ist in diesem Fall ein elektronischer Code, aber nichts desto trotz ist das darin festgeschrieben.“

Ein Blick in die Zukunft

Eine weitere Teilnehmer*in: „Ich glaube, wenn ich 43 bin, wird es normal sein, dass ich in Krypto-Währung bezahlt werde. Ich glaube, dieses Unstoppbare gilt für das Internet in Maßen, aber es wird weltweit nicht mehr die Diskussion sein, bekommen wir Krypto-Währungen, oder nicht. Sondern für mich ist die Frage, was sind die konkreten Schritte und Punkte, wie ich damit umgehen kann [...]. Wie kann ich damit möglichst vernünftig umgehen?“