Auf dem Weg zu einer Geldwende

Thomas Goldfuß wirft im Interview einen Blick nach vorne

Der 3. Geldgipfel steht vor der Tür und bietet die Gelegenheit, zurückliegende Entwicklungen zu reflektieren. Zugleich soll der Blick nach vorne gerichtet werden, nämlich darauf, wie eine Geldwende weiter vorangetrieben werden kann.

Thomas Goldfuß, Seniorexperte Nachhaltigkeit der GLS Bank und Mitorganisator des Geldgipfels, schildert im folgenden Interview, was sich seit Beginn der Diskussion bereits verändert hat und wie neue Technologien, etwa Blockchain, die Debatte beeinflussen.

Außerdem erfahren Sie, was das Pariser Klimaabkommen mit einer neuen Finanzordnung zu tun hat und dass die ersten Erfolge sowohl Mut auf die Zukunft machen als auch den weiteren Handlungsbedarf zeigen. 

Der Titel des Geldgipfels 2018 im April lautet: „Von der Finanzwirtschaft zur Realwirtschaft – 10 Jahre nach Lehman Brothers“. Wie kam es dazu, was verbirgt sich dahinter?

Wir stellen uns 10 Jahre nach Lehman Brothers die Frage: Was hat sich seitdem tatsächlich verändert? Wie realistisch ist eine erneute Finanzmarktkrise? Und da stellen wir fest, dass sich zwar die Regulatorik an mehreren Stellen deutlich verschärft hat, jedoch die zugrundeliegende Motivation der Akteure bei der Anwendung von hoch spekulativen Finanzinstrumenten unverändert ist. Der primäre, wenn nicht gar ausschließliche Antrieb ist das pure Gewinnstreben. Bei den Spekulationen mit Derivaten, bei dem Algorithmen-gesteuerten Hochfrequenzhandel kann man bestenfalls von einer „Schattenwirtschaft“ sprechen. Die Frage, wie die Finanzwirtschaft einen gesellschaftlich erwünschten Beitrag für die sogenannte „Realwirtschaft“ leistet, wurde vor knapp 10 Jahren gestellt und ist immer noch nicht annähernd beantwortet.

In der Vorankündigung heißt es, dass auch Themen wie Wohnraumbeschaffung und das Pariser Klimaabkommen Teil der Diskussion sein werden. Was haben diese Themen mit einer neuen Finanzordnung zu tun?

Es sind zwei Beispiele einer sozialen und einer ökologischen Herausforderung, wo aus unserer Sicht ganz dringend ein anderer Umgang mit Geld bzw. gezielte Investitionen oder regulatorische Eingriffe erforderlich sind. Und in beiden Fällen gibt es – auch internationale – Initiativen, die sehr konkrete Vorschläge zur Lösung der Probleme erarbeitet haben und dies weiterentwickeln.

Der Geldgipfel 2018 ist bereits die dritte Veranstaltung dieser Art. Der Erste fand 2014 statt, von dem Lukas Beckmann in unserem Interview weiter unten berichtet. Was hat sich seitdem verändert?

So nüchtern und pessimistisch meine Antwort auf die erste Frage anmuten mag, es ist aus meiner Sicht insbesondere in den letzten zwei/drei Jahren auch viel Schwung in dieses Segment hereingekommen. Und das nicht über die Finanzaufsichten, sondern durch zwei bedeutsame internationale Abkommen. Das Pariser Klima-Abkommen und die UN Sustainable Development Goals. Nach meiner Wahrnehmung wird zielgerichteter und verbindlicher unter Beteiligung der unterschiedlichsten Stakeholder an der Frage gearbeitet, welche Transformationen im Finanzmarksektor erforderlich sind, um diese wesentlichen, gemeinsamen Ziele zu erreichen.

Wie beeinflussen neue Technologien, wie etwa Blockchain, die Debatte und die Möglichkeiten einer neuen Geldordnung?

Es ist für mich schwer einzuschätzen, zumal ich davon ausgehe, dass diese Technologien sowohl im positiven als auch im negativen Sinn erhebliche Auswirkungen haben können. Seit einiger Zeit wird auch in der Finanzszene ein enormer Hype um Blockchain gemacht. Es gibt laufend Seminare, Kongresse und Foren zu dieser Technologie. Dennoch: Für ein alternatives, komplementäres Geldsystem könnte Blockchain vieles ermöglichen und unterstützen, was ohne diese Technologie fast unmöglich wäre. Dazu liegen auch schon erste wissenschaftliche Entwürfe vor.

Was erwarten Sie Neues vom Geldgipfel 2018?

Ich würde mir wünschen, dass wir konkrete, kurz- bis mittelfristig umsetzbare und vor allem wirksame Handlungsimpulse identifizieren, denn wir können ja nicht weitere zehn Jahre auf der Stelle treten. Neues erwarte ich vor allem aus den Initiativen rund um die beiden oben genannten internationalen Abkommen und von der Blockchain-Technologie.